News 2004

SZ   28.01.04   Wie viel Feuerwehr braucht die Stadt künftig noch?

Berufsfeuerwehrmann legt Konzept vor: „Wehren müssen umdenken“ / Gemeinsam die Aufgaben übernehmen

Von Frank Westermann

Obernkirchen. Dafür muss man kein Prophet sein: Die Strukturreform der Feuerwehren wird in diesem Frühjahr auf die politische Tagesordnung gesetzt. Schon jetzt ziehen Stadtdirektor und Bürgermeister gemeinsam oder getrennt durch die Jahreshauptversammlungen, um den Feuerwehrleuten zumindest die größte Angst zu nehmen: Geschlossen werden soll keine Feuerwehr.

Auf dem Tisch liegt jetzt ein Papier, das durchaus als Grundlage der anstehenden Debatten genutzt werden kann. Verfasst hat es der Bückeburger Friedemann Schuster, der bei der Berufsfeuerwehr Osnabrück arbeitet, erhalten haben es alle Mitglieder des Ausschusses für Feuerwehrwesen des Stadtrates. Angerissen werden dort die zentralen Fragen: Wie viel Feuerwehr braucht denn die Stadt? Wie hoch wird das Risiko im Hinblick auf Schadensereignisse eingeschätzt? Fragen, deren Beantwortung sogar die sozialen Strukturen eines Ortes beeinflussen könnten, betont Schuster. Was also sei zu tun?

Die Wehren selbst sieht er in der Pflicht. Sie müssten anfangen, umzudenken: „Nicht das engstirnige Ortschaftsdenken oder „Wir sind aber die Stützpunktwehr“ hilft uns weiter, sondern konstruktive Zusammenarbeit muss endlich Raum auch in den Köpfen der Feuerwehrmänner finden und jede Feuerwehr hat dazu ihren Beitrag zu leisten“, schreibt Schuster in seinem Entwurf.

Konkret schlägt er vor, die Ausrüstungen einer Wehr nach so genannten Schwerpunktkomponenten anzuschaffen: Das würde dazu führen, dass die vorhandene Ausrüstung zu einer sinnvollen taktischen Komponenten ergänzt wird und somit eine doppelte Anschaffung der Geräte vermieden würde – was im erheblichen Maße Kosten einspare. Im Einzelnen könne das so aussehen, dass die Stützpunktwehr Gelldorf und die Ortsfeuerwehr Vehlen ihre Grundaufgaben des abwehrenden Brandschutzes wahrnehmen würden, aber zusätzlich eine gemeinsame Komponente ausüben: die technische Hilfeleistung. Hier müsste, schlägt Schuster vor, der vorhandene Rettungssatz – also Schere und Spreitzer – durch die Anschaffung von Rettungszylindern erweitert werde und in der Ortswehr Vehlen das vorhandene Hebekissen modernisiert werde. Auf die Anschaffung eines weiteren Hochdrucklüfters könne verzichtet werden, da ein mit Verbrennungsmotor betriebener Hochdrucklüfter in der Ortswehr Obernkirchen bereits vorhanden sei und die Ortsfeuerwehr Vehlen einen Hochdrucklüfter habe, der in einer explosiven Atmosphäre eingesetzt werden könne.

Die Stützpunktwehr Obernkirchen könnte mit den Ortsfeuerwehren Krainhagen und Röhrkasten ebenfalls eine gemeinsame Komponente Gefahrenabwahr und allgemeiner Umweltschutz – mit den Spezialkomponenten Ölschadenbekämpfung und Unfälle von gefährlichen Stoffen und Gütern – bilden.

Würde man die Feuerwehr der Stadt in diese beiden Komponenten aufteilen, dann, so rechnet Schuster vor, würden zwei Einsatzleitwagen oder Mannschaftstransportwagen ausreichen und damit die Wiederbeschaffungskosten wegfallen.

Um die Zusammenarbeit auch in den Köpfen der Feuerwehrmänner zu intensivieren, schlägt Schuster vor, verstärkt gemeinsam zu alarmieren. Der Stadtbrandmeister solle dafür eine Alarm- und Ausrückeordnung erstellen, die anhand von Alarmstichworten anzulegen sei. Als Beispiel nennt Schuster das Alarmstichwort „Verkehrsunfall mit Tanklastzug“, bei dem beide Komponenten alarmiert werden würden.

Durch diese Komponentenalarmierung entstehe gleichzeitig eine Schwerpunkteinteilung der eingesetzten Kräfte. Was wiederum zwangsläufig das Miteinander fördere, die Motivation stärke und vor allem beim Einsatz die Kräfte schon bei der Alarmierung in geordnete Bahnen lenke, so dass einer „eigendynamischen Einsatzentwicklung“ vorgebeugt werde. Natürlich müssten alle Wehren künftig auf gewünschte Ausrüstungsgegenstände verzichten, aber es sei die beste Möglichkeit, um zusammen zu wachsen, bilanziert Schuster, der seine Vorschläge übrigens ausdrücklich als Privatperson macht – „um Irritationen vorzubeugen“.

Seit Anfang letzten Jahres arbeiten die Wehren der Bergstadt an einem gemeinsamen Konzept für die Feuerwehr der Zukunft. Mitte des Jahres soll es vorgelegt werden.
© Schaumburger Zeitung, 28.01.2004

SZ   17.07.2004   Warmes vor allem aus der Gulaschkanone

Jugendfeuerwehren der Stadt biwakieren an der Weser / Stadtdirektor Schirmherr – Sonne Rarität

Obernkirchen/Großenwieden (sig). Die meisten Blicke nach oben verhießen nichts Gutes. Auch der Weg über das Wiesengelände zum Stadtjugendzeltlager der Feuerwehr in Großenwieden unweit des Weserufers ließ erahnen, dass hier der Sommer nicht besser ausfällt als in der Bergstadt. Und dennoch: Die rund 80 Jugendlichen und ihrer Betreuer ließen sich nicht verdrießen, sondern erlebten abwechslungsreichen Tage - auch wenn die Sonne zur Rarität geworden ist.

Angesichts der Tatsache, dass diese Gemeinschaftsaktion nur alle drei Jahre ausgerichtet wird, hätten sich die Organisatoren natürlich eine größere Unterstützung von Petrus erhofft. Aber dafür gab es am Standort nichts auszusetzen. Die rund 20 Zelte, von denen zwei das Roten Kreuz zur Verfügung gestellt hatte, wurden direkt neben dem Schützenhaus aufgeschlagen.

Lagerleiter Gerald Pohl ist des Lobes voll über die Zusammenarbeit mit dem Schützenverein Großenwieden, der den Gästen die Toilettenanlagen und Duschen im Schützenhaus geöffnet hat und ihnen auch sonst alle Unterstützung gab. Das war schon vor vier Jahren so, als hier erstmalig die Jugendwehren aus Krainhagen und Röhrkasten zelteten.

Seitdem sich junge Blauröcke aus Bückeburg 2001 am Dümmersee erstmalig am Obernkirchener Zeltlager beteiligt haben, wird das freundschaftliche Verhältnis weiter ausgebaut. Auch diesmal sind die Residenzler dabei.

Der Tagesablauf ist von den Verantwortlichen vorher genau festgelegt worden. Pünktlich um sieben Uhr wurde geweckt - nicht mit der Trillerpfeife, sondern mit dem Techno-Sound „La Cucamarcha“. Diese Melodie haben sich die jungen Blauröcke selbst ausgesucht.

Per Griff in den Lostopf wurden danach die Aufgaben zugewiesen, die an jedem Tag zu erledigen waren. Gleich beim Start legte man fest, welche Jugendfeuerwehr an einem der Tage für die Nachtwache zuständig ist. Sie war dann gleichzeitig verantwortlich für die Ausgabe und das Reinigen des Geschirrs, für andere Aufräumungsarbeiten und das Säubern der Toiletten. Nach dem Frühstück gab es Spiel und Sport, die Vorbereitung von Rollenspielen, einen Orientierungsmarsch und am Sonntag auch einen Gottesdienst.

Für die Mahlzeiten sorgte ein erfahrenes Küchenteam der Radener Wehr. Beim Besuch unserer Zeitung duftete mittags eine Erbsensuppe mit würziger Wursteinlage in der Gulaschkanone. Auch die Nachmittage waren gut ausgefüllt. Als die OWOKI-Kinder aus Obernkirchen eintrafen, wurde gerade ein „Spiel ohne Grenzen“ vorbereitet. Ideen dazu kamen von allen örtlichen Jugendwehren. Nach dem Abendbrot wurden Filme vorgeführt. Auf der Wunschliste standen Harry Potter und der kleine „Nemo“. Andere Programmpunkte sind Einlagen im Stile von „Wetten dass“, Karaoke, ein Elternabend mit Grillparty und eine Disko.

Die Versorgung klappte vorzüglich. Aus der Bergstadt kamen täglich frische Brötchen, Brot und die Getränke, die Wurst- und Fleischwaren aus Rinteln. Für die medizinische Betreuung stand ein ausgebildeter Rettungssanitäter bereit.

Gleich zu Beginn des Zeltlagers kamen Schirmherr Stadtdirektor Wilhelm Mevert, Bürgermeister Horst Sassenberg, Stadtbrandmeister Rolf Schaper und Kreisjugendfeuerwehrwart Frank Lohmann zu Besuch.

Am heutigen Sonnabend heißt es für die Jugendlichen aus Gelldorf, Vehlen, Obernkirchen, Krainhagen, Röhrkasten und Bückeburg: Alles einpacken, Zelte abbauen und von den Gruppen Abschied nehmen, mit denen sie jetzt manche schöne zusätzliche Erinnerung verbindet.

© Schaumburger Zeitung, 17.07.2004

SN 26.08.04   Stadtdirektor befürchtet Finanzdesaster

Zukunft der Obernkirchener Feuerwehren weiterhin ungewiss

Die geplante Umstrukturierung des Löschwesens in der Bergstadt wird zum Dauerbrenner. Auch nach der Sitzung des Ausschusses für Ordnungs- und Feuerwehrwesen ist man keinen Zentimeter vorangekommen. Jetzt sollen sich wieder die Fraktionen getrennt mit der Frage befassen, wie die notwendige Konsolidierung des Haushalts auch auf diesem Feld umgesetzt werden kann.

Obernkirchen. Der zu Beginn der Sitzung anwesende Stadtdirektor Wilhelm Mevert erklärte zur Einführung in das Thema: „Wir hatten versucht, auf freiwilliger Basis eine Lösung zu schaffen. Das hat sich leider als illusorisch erwiesen. Die 111 Feuerwehren auf Kreisebene dürfen nicht angetastet werden, obwohl auf überkommunaler Ebene durchaus über Umstrukturierungen gesprochen und nachgedacht wird.“
Der Landkreis habe die Stadt, so Mevert, in einer Stellungnahme zum Haushalt dieses Jahres darauf hingewiesen, dass weitere Anstrengungen zur Konsolidierung des nicht ausgeglichenen Etats erforderlich seien. Der Verwaltungschef weiter: „Man erwartet von uns, dass wir in der mittelfristigen Planung bis zum Jahre 2007 an die 7,2 Millionen Euro einsparen, aber wir haben schon so viel gespart, dass ich keine Chance sehe, weitere Aufgaben zu streichen.“
Wenn die Konsolidierung nicht auch im Feuerwehrwesen vorangetrieben werden könne, drohe ein finanzielles Desaster, prophezeite der Stadtdirektor. Das entscheidende Problem sei die Ersatzbeschaffung von „abgängigen“ Löschfahrzeugen, die sich aus dem Etat der Stadt nicht mehr finanzieren lasse.
Der zuständige Fachbereichsleiter Bernhard Watermann ergänzte die Ausführungen des Verwaltungschefs mit dem Hinweis darauf, dass es selbst in der dafür eingesetzten Arbeitsgruppe nicht möglich gewesen sei, eine spürbare Reduzierung der Ausstattung vorzunehmen. Dieses Gremium konnte sich auch nicht auf den Vorschlag von Friedemann Schuster einigen, der den Erhalt von zwei Stützpunkten empfahl. Den einen sollten die Feuerwehren von Obernkirchen, Krainhagen und Röhrkasten bilden, den anderen die Brandbekämpfer aus Vehlen und Gelldorf.
Watermann sprach davon, dass aufgrund von Modellberechnungen aus Hessen, die er sich beschafft hat, sogar ein Feuerwehrstandort für die Bergstadt ausreichen würde. Der ausreichende Einsatzradius betrage 4,69 Kilometer. Als Konsequenz dieser Untersuchungen stellte er fest: „In jedem Fall sind aber zwei Stützpunkte mit den dafür vorgeschriebenen Ausrüstungen absolut ausreichend.“
Stadtbrandmeister Rolf Schaper und der Gelldorfer Feuerwehrchef Bernhard Gläser wiesen darauf hin, dass man auch die drei anderen mit einer Grundausstattung versehenen Feuerwehren aus Vehlen, Krainhagen und Röhrkasten für den Brandschutz benötige. Gerade während der Arbeitszeit am Tage stünden sonst im Ernstfall nicht genügend Aktive zur Verfügung.
Außerdem könne man nicht auf die dort geleistete Jugendarbeit verzichten, ohne die keine Feuerwehr mehr bestehen könne.
In diese Kerbe schlug auch der anwesende Kreisbrandmeister Klaus-Peter Grote. Dieser erinnerte dabei an den Brand beim „Deutschen Haus“, für den man sogar die Bückeburger Brandschützer zur Unterstützung anfordern musste.
Vehlens Ortsbürgermeister Werner Harder deutete an, dass es in seinem Ort durchaus Einwohner gebe, die bereit seien, Geld zur Verfügung zu stellen für die Anschaffung eines – allerdings nicht völlig neuen – Löschfahrzeugs. Das vorhandene stamme aus dem Jahr 1970.
In zahlreichen weiteren Wortbeiträgen wurde herausgestellt, dass weder die Unterhaltungskosten der Gerätehäuser noch die der Fahrzeuge das entscheidende Problem sind, sondern ausschließlich die Ersatzbeschaffung überalterter Wagen. Anschließend beschloss der Ausschuss, diesen Tagesordnungspunkt an die Fraktionen zurückzuverweisen. Die notwendigen Entscheidungen werden dadurch aber nicht aufgehoben, sondern nur aufgeschoben. sig