News 2011

SZ   27.06.11  Leichter wird es in der Zukunft nicht

Vehlen (rnk). Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges sah es düster aus für die Feuerwehr, denn der Weltenbrand brachte einen tiefen Einschnitt: Einige Mitglieder hatten ihre letzte Ruhestätte in fremder Erde gefunden und das Gerätehaus war durch die Engländer geplündert worden. Zwar fanden sich Tragkraftspritze und Ausrüstungsgegenstände bei der Glasfabrik Heye, aber ein Wiederaufbau stand dennoch an. Immerhin konnte Brandmeister Heinrich Blomberg die Amtsgeschäfte wieder aufnehmen, Kontinuität war also – im bescheidenen Rahmen – gesichert. Damit wurde fortgeführt, was am 26. Mai 1936 ins Leben gerufen wurde. Nach einem Vortag des Meinsener Gemeindebrandmeisters hatten spontan 24 Bürger aus Vehlen und sieben aus Beeke die Ortswehr Vehlen-Beeke ins Leben gerufen, 1. Feuerwehrhauptmann wurde Blomberg.

Zehn Jahre nach dem Ende des Krieges wurde die Gemeinde Beeke von der Stadt Obernkirchen eingemeindet, es entstand die heutige Feuerwehr Vehlen. Vier Jahre später wurde das heutige Gerätehaus übergeben, das um 1800 erbaute Feuerwehrgerätehaus hatte nicht mehr den Anforderungen entsprochen. Zur Einweihung hatte die Gemeinde eine Überraschung für die Wehr mitgebracht: einen VW-Bus, der als ziehendes Fahrzeug Mannschaft und Geräte zu Übungen und Einsätzen brachte. Gleich zwei wichtige Punkte markierten das Jahr 1963: Erst wurde für den Katastrophenschutz ein Löschgruppenfahrzeug in Vehlen stationiert, dann wurde die Jugendwehr ins Leben gerufen. 1970 wurde, nach langen Diskussionen, ein neues Löschgruppenfahrzeug angeschafft, ein Jahr später übernahm Heinz Röckemann die Wehr, die er 26 Jahre lange führen würde. 1974 gab es die letzte Mitgliederversammlung als Schaumburg-Lipper, seit dem 1. März gehört die Wehr zur Stadt.

Seine schönsten Jahre in der Feuerwehr, so bekannte Ortsbrandmeister Christoph Schuster, der durch die Geschichte der Wehr führte, habe er im Katastrophenschutz erlebt, mit den Wehren Evesen, Meinsen-Warber und Rusbend. Bis heute habe niemand nachvollziehen können, warum diese „gut ausgebildete Truppe“ 1995 zerschlagen wurde und das 1988 beschaffte Löschgruppenfahrzeug woanders stationiert wurde. 2008 gab es für die Wehr ein Staffellöschfahrzeug, dieses Jahr kam der Erkunder hinzu. Und am Tisch der Ehrengäste wurde am Freitag auch ein Name für den Erkunder gefunden, schließlich hatte der orangefarbene Vorgänger mit „Tönsmeier“ auch einen Namen. Weil, der neue Erkunder zuvor beim Fußballverein FC Köln die Ehrengäste kutschierte, soll er nun Hennes heißen – nach dem Geißbock, der seit 1950 als Maskottchen dem Verein dient.

Während sich die meisten Reden im zu erwartenden Rahmen bewegten, stellte Oliver Schäfer in seinem Beitrag den Dienst der einzelnen Mitglieder in den Mittelpunkt. Vor allem gefährlich sei der Dienst, befand der Bürgermeister mit Blick auf die nahegelegene Bundesstraße und die Autobahn, Einsätze seien zuweilen mit großem Gefährdungspotenzial und Stress verbunden, man komme als Feuerwehrmitglied in Situationen, die man nicht so schnell aus dem Gedächtnis verliere: „Nicht jeder ist dafür geschaffen.“ Mit Blick auf dem Nachwuchs empfahl Schäfer, stärker auf das weibliche Geschlecht zu schauen, auch Ortsbürgermeister Werner Harder schloss sich an: Nichts sei schlimmer, als keine funktionierende Wehr mehr zu haben – für Alternativen fehle schlicht das Geld. Die Zukunft der Wehren bewegte auch den Kreisbrandmeister. Klaus-Peter Grote beklagte die sinkende Tagesverfügbarkeit der Mitglieder: Immer mehr Arbeitsplätze in Schaumburg würden abgebaut, die Mitglieder müssten mit dem Auto zu ihren Arbeitsplätzen fahren – und würden dann bei den Einsätzen fehlen. Grote blickte in die Zukunft: Ein zu erwartendes Krankenhaus werde die Arbeit nicht leichter machen.

sz270611 Kommers 75 Jahre

SZ 27.06.11   Die Ortsbrandmeister der FF Vehlen

SZ   27.05.11  Für den Einsatz, der hoffentlich nie kommt

Vehlen (rnk). So kann man das natürlich auch formulieren: Der Landkreis habe finanzielle Mittel bereitgestellt, weil der Bund eine andere Konzeption verfolge, erklärte Landrat Jörg Farr. Sollte heißen: Der Bund hat sich aus dem Katastrophenschutz zwar zurückgezogen, aber die Aufgabe muss erfüllt werden, daher hat der Landkreis mit Blick auf die Finanzierung den Schwarzen Peter in der Hand. Vorgestern wurde der neue ABC-Erkundungswagen der Wehr Vehlen übergeben.

Ihm sei, so erklärte Farr, durchaus klar, dass die Wehren in den Städten und Gemeinden besondere Aufgaben und Funktionen wahrnehmen, die mit erheblichen körperlichen und psychischen Belastungen durch Übungen, aber vor allem durch Echteinsätze verbunden seien. Ihm sei auch bewusst, dass die Wehren Pflichtaufgaben der Kommunen erfüllen würden: „Das, was wir für Sie tun können, ist für die angemessenen Rahmenbedingungen und für eine vernünftige Ausstattung zu sorgen.“ Und das werde natürlich nicht leichter, weil sich der Bund eben aus dem Katastrophenschutz zurückgezogen habe und dem Landkreis deshalb nur noch ein bundeseigenes Erkundungsfahrzeug zur Verfügung stehe. Denn in der Vergangenheit habe der Landkreis stets über drei Bundesfahrzeuge für die Erkundungsaufgaben zur Verfügung gehabt: Diese Fahrzeuge habe der Bund inzwischen ausgesondert, ein Ersatz sei auch nicht zu erwarten.

Aber der Katastrophenschutz sei ja im Wesentlichen Teil der Aufgaben der Feuerwehren, als Landkreis dürfe man diesen Bereich auch nicht verwaisen lassen, „sondern wir müssen uns stark engagieren“. Das neue Fahrzeug, das Farr später Clemens Keich als Leiter der Umweltschutzeinheit übergab, sei vorgesehen für Schadstoffmessungen bei Großbränden und bei Unfällen mit chemischen Substanzen. Es sei aber nicht für radiologische Messungen ausgestattet, weil der Landkreis seit Langem drei andere Fahrzeuge für diesen Zweck ausgestattet habe. Da die Natur nicht immer beherrschbar sei, meinte Farr mit Blick auf Japan, müssen man auf alle Eventualitäten gerüstet sein – in der Hoffnung, dass es nie zum Echteinsatz komme. 44000 Euro kostet der „Erkunder“, wie er in Wehrkreisen kurz genannt wird, das Geld für ihn wurde weitgehend im Landkreis ausgegeben: Das Autohaus Tatge in Bückeburg hat ihn ausgestattet, in regelmäßigen Abständen seien die Feuerwehrleute vorbeigekommen, um nachzuschauen, wie weit die Arbeiten denn gediehen sind, erklärt Erwin Tatge später. Ein Blick in den Fahrzeugbrief klärte dann darüber auf, dass das Fahrzeug einen durchaus prominenten Vorbesitzer hatte: Er wurde vorher vom Fußball-Bundesligisten FC Köln benutzt, um die Prominenten und Ehrengäste zu fahren.

Den nächsten „Erkunder“ wird die Wehr Rusbend erhalten: Farr kündigte an, dass die entsprechenden Mittel im Haushalt 2011 sichergestellt seien. Bürgermeister Oliver Schäfer erinnerte sich anschließend an manche Jahreshauptversammlung der Wehren, wo er mit Fragen nach dem Erkunder und seinem Eintreffen gelöchert worden sei und sah anschließend die Übergabe an die Wehr Vehlen als Motivationsschub, den die Wehr aber nicht brauche: Wer solche Fahrzeuge in seinem Fuhrpark habe, der ziehe seine Motivation aus dieser Qualität. Kein Wunder also, dass Ortsbrandmeister Christoph Schuster eine „optimale Pflege“ des Wagens versprach.

SZ   12.04.11     Neue Socken kaufen oder Löcher stopfen?

Vehlen (rnk). Der Arbeitskreis Dorferneuerung war sich sicher: Die Sanierung des Schlauchturms sei das richtige Signal zum Start, es sei das sogenannte Leuchtturmprojekt. Die Politik wird ihr Veto einlegen: Wirtschaftlich nicht sinnvoll sei eine Sanierung, befand man im Fachausschuss, der Rat wird diesem Votum folgen. Jetzt soll Bürgermeister Oliver Schäfer mit dem Arbeitskreis darüber sprechen, ob nicht andere Projekte oder ein abgewandeltes Sanierungssystem des Turmes diese Leuchtturmfunktion übernehmen können.

Knapp 90 Minuten diskutierte der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt das Projekt, das die Stadt rund 12 000 Euro kosten würde und für das es weitere 5700 Euro an Zuschüssen erhalten würde. Den Löwenanteil der Kosten würde die Sanierung der Fugen verschlingen, rund 4300 Euro. Dazu kämen noch jeweils 1000 Euro für Malerarbeiten und den Klempner sowie 1800 Euro für das Dach.

Zu viel, entschied der Ausschuss. Heinrich Struckmeier (CDU) brachte die einhellige Meinung nach dem Ortstermin in Vehlen auf den Punkt: „Würde ich das als Privatmann machen? Nein, das würde ich nicht.“ Das sah Wilhelm Mevert (SPD) genauso, auch wenn er vor einigen Monaten davon gesprochen habe, dass es „vorstellbar“ sei, den Turm mit städtischen Mitteln zu sanieren. Die Asphaltfläche vor dem Turm und der Fahrzeughalle sei in einem viel schlechteren Zustand. Das Dachproblem, falls überhaupt vorhanden, könne mit einem Hubwagen doch an einem Tag erledigt werden. Es sei doch so, erklärte Mevert: Wenn man ein Loch im Socken habe, dann kaufe man sich ein neues Paar. Habe man kein Geld, müsse man das Loch stopfen. Und die Stadt habe nun mal kein Geld.

Man wolle der Dorferneuerung nun wirklich nichts Böses, erklärt Dirk Rodenbeck (CDU), aber hier gehe es um die Sache: „Und die ist eher sinnlos.“ Es gebe anderes, schob er nach, und es sei doch wirklich ärgerlich, wenn man hier Geld ausgebe und später entdecke, dass man es an anderer Stelle deutlich besser hätte verwenden können. Die Reparaturen sollen gemacht werden, erklärte Heinz Bruns (SPD), Mevert fragte praktisch orientiert nach: „Welche Gerüste hat der Bauhof? Und gibt es dort einen Maurer?“ Die Antwort von Bürgermeister Oliver Schäfer (SPD) fiel denkbar knapp aus: „Ja.“ Mevert: „Dann würde ich den mal rankriegen.“

Die Förderrichtlinie sehen nur Zuschüsse vor, die sich mindestens bei 5000 Euro unter Zugrundelegung von 40- prozentiger Förderung der Nettokosten bewegen. Damit würde in Vehlen eine Maßnahme nur förderungsfähig sein, wenn sie netto mindestens einen Kostenaufwand von 12 500 Euro begründet.

Während Horst Sassenberg (CDU) empfahl, „die Karten an den Arbeitskreis zurückzugeben“, sah Schäfer den Ausschuss in der Pflicht: „Wo ist jetzt das Auftaktprojekt für die Dorferneuerung?“ Schäfer wollte Vorschläge hören, der Ausschuss lieferte einige. Etwa die Straßenfläche zwischen Feuerwehrgerätehaus und Dorfgemeinschaftshaus aufnehmen und verengen, oder die Baumtore auf der Hauptstraße anzugehen, oder, wie Thomas Stübke (Grüne) es vorgeschlagen hatte, das anliegende Gebäude des Turms in Angriff zu nehmen: Da gebe es viel Arbeit.

Rodenbeck machte sich noch einmal für den gesamten Platz vor dem Turm stark: Seiner Erfahrung nach werde der sanierte Schlauchturm gar nicht so sehr gesehen, dafür aber der Platz.

Der Beschluss: Jetzt soll der Bürgermeister dem Arbeitskreis die Vorschläge unterbreiten, das letzte Wort hat dann der Stadtrat.

„Würde ich das als Privatmann machen?“: Die Sanierung des Schlauchturms sollte der große Startschuss für die Dorferneuerung werden, jetzt will die Politik nicht mehr. Fotos: rnk

SZ   30.03.11   Sogar eine Scheckkarte liegt im Straßengraben

Vehlen (sig). Bewaffnet mit blauen Kunststoffsäcken zogen zwei Gruppen der Vehlener Jugendwehr, begleitet von Führungskräften, durch den Ort. Die eine konzentrierte sich vornehmlich auf die Landesstraße 451 zwischen Vehlen und Ahnsen und auf die Straße „Auf dem Stapel“ , die andere auf die Bundesstraße 65 und den „Kuhkamp“.

„Wir wollen unseren Beitrag zur Umwelt und damit zur Reinhaltung unseres Lebensraums leisten“, versicherte Feuerwehrchef Christoph Schuster. Dann sprang er flott hinunter in den Straßengraben, weil er dort Müll entdeckt hatte. Ihm gleich taten es die Jungen und Mädchen, die sich an der Aktion beteiligten, sowie Andreas Busche, Marion Hanke und der stellvertretende Jugendwart Björn Ernst.

Es war erstaunlich, was da alles aus dem Gras und auch aus dem Randbereich der Ackerflächen hervorgeholt wurde: leere Bier- und Weinflaschen, Verpackungen, Tabletten, Zigarettenschachteln, Lack- und Rasierschaumdosen, ein leeres Würstchenglas, ein großer Styroporblock und sogar die gesamte Innenverkleidung einer Autotür. Der erstaunlichste Fund an der Ahnser Straße aber war eine gültige Bankscheckkarte.

Am Kuhkamp hatte ein Fahrzeugbesitzer sogar zwei Breitwandreifen entsorgt. Angesichts dieser vielen Funde musste Ralf König mit einem Mannschaftstransporter und Anhänger ungezählte Male hin- und herfahren, um den Müll zu entsorgen.

Auf dem Parkplatz vor dem Gerätehaus stand ein Container, den Ortsbürgermeister Werner Harder für diese Aktion geordert hatte. An die 30 Säcke füllte der Unrat, der von mehreren Verkehrswegen und aus der freien Landschaft zusammenkam